Wolf Isselhard

Rektor 1973 - 1975

* 31.12.1930 (Leverkusen), † 05.06.1998 (Köln)
Professor für Physiologie und Experimentelle Chirurgie
Dr. med.

Wolf Isselhard (geb. am 31.12.1930 in Leverkusen) studierte ab 1950 Medizin an der Universität zu Köln. Hier legte er 1955 sein Medizinisches Staatsexamen ab und wurde über "Untersuchungen über die bei unterschiedlicher J131-Strahlenbelastung der Schilddrüse im Serum auftretenden J131-markierten organischen Jodverbindungen" promoviert. Anschließend ging er für ein Jahr als Rotating Intern nach Baltimore/USA und erhielt 1956 seine Approbation als Arzt. Anschließend begann er seine Ausbildung am Institut für Normale und Pathologische Physiologie in Köln bei Prof. M. Schneider. 1964 habilitierte er sich für Physiologie mit dem Thema: "Vergleich des Herzstoffwechsels bei verschiedenen Methoden des künstlichen Herzstillstands und bei anschließender Reperfusion" (Wiederdurchblutung). 1968 wurde er an der Universität zu Köln zum apl. Professor ernannt. Im März 1969 übernahm Isselhard den Lehrstuhl für Experimentelle Chirurgie und war gleichzeitig Vorsteher der Chirurgischen Klinik und Poliklinik (Lindenburg). Nach Ablehnung eines Rufes an die Universität Graz ernannte man ihn 1970 zum o. Professor und Direktor des Instituts für Experimentelle Medizin. Wolf Isselhard engagierte sich in zahlreichen Ämtern und Gremien der Universität zu Köln. Von 1969-72 war er Zulassungsreferent der Medizinischen Fakultät. Von 1972-73 war er Dekan, von 1973-75 übernahm er das Amt des Rektors der Universität zu Köln und war bis 1977 als Prorektor tätig. Weiterhin arbeitete er in den Jahren 1974-81 als Vorsitzender für den Ausschuss des Regionalen Rechenzentrums der Universität zu Köln. Von 1986-91 wurde er erneut zum Dekan der Medizinischen Fakultät gewählt. Von 1989 bis 1998 war er auch geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Universität zu Köln. Darüber hinaus stand er der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Vertrauensdozent zur Verfügung. Wolf Isselhard war außerdem Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften: Von 1972-78 war er im Vorstand der Sektion für Experimentelle Chirurgie der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft (von 1976-78 auch als Vorsitzender). Zudem pflegte er enge Kontakte zu den japanischen Universitäten in Kyoto und Sapporo. Er erhielt 1993 den Research Award der Japanese Society for the Promotion of Science und unternahm in diesem Zusammenhang zwei Mal sechswöchige Forschungsaufenthalte in Kyoto. 1996 wurde er emeritiert, blieb aber noch bis zu seinem Tod Direktor des Instituts für Experimentelle Medizin. Die Forschungsschwerpunkte von Wolf Isselhard lagen auf den Gebieten des Energiestoffwechsels von Organen in Sauerstoffmangelsituationen und der anschließenden Erholung sowie in der Organkonservierung für die Organtransplantation. In seiner Habilitationsschrift, für die er mit dem Hochhaus-Stiftungspreis ausgezeichnet wurde, und in weiteren frühen Arbeiten befasste er sich überwiegend mit dem Herzstoffwechsel bei verschiedenen Methoden des künstlichen Herzstillstands. Es folgten Publikationen zur Pathophysiologie und Therapie des Tourniquetschocks, zu Mikrozirkulationsstörungen bei extrakorporaler Zirkulation und zur Organkonservierung. Weitere Forschungsbereiche, die er zum Teil in enger Zusammenarbeit mit den Kliniken für Chirurgie und für Herzchirurgie bearbeitete, waren der experimentelle Herzinfarkt, die endoskopische Rektumchirurgie, die hypertherme Extremitätenperfusion (ein Verfahren der regionalen Chemotherapie, bei dem die Isolation des Extremitätenkreislaufes mit einer Herz-Lungen-Maschine die Applikation hochdosierter, regional effektiver zytotoxischer Substanzen erlaubt), sowie therapeuthische Ansätze zur Beeinflussung der Schäden durch Minderdurchblutung von Körpergewebe (Ischämie) und Reperfusion der Leber und des Herzens. Von 1970-83 war Isselhard Sprecher des Sonderforschungsbereichs 68 "Kardiovaskuläre Restitution und Organsubstiution" an der Medizinischen Fakultät. Zusammen mit seinen Mitarbeitern verfasste er über 120 Publikationen und Buchbeiträge sowie zahlreiche Vorträge. Zudem war er seit 1971 Mitherausgeber und ab 1977 Herausgeber des European Journal of Applied Physiology und Occupational Physiology. Wolf Isselhard starb am 5. Juni 1998 im Alter von 67 Jahren in Köln. Noch zwei Wochen vor seinem Tod hatte ihn die Universität zu Köln mit der Universitätsmedaille ausgezeichnet.

Quellen: Wolf Isselhard: "Forschung in der Medizin heute", in: Kölner Unversitätsreden 51, Krefeld 1974; Erich Meuthen (Hrsg.): Kölner Universitätsgeschichte, Bd. III: Die neue Universität. Daten und Fakten, Köln u.a. 1988, S. 169; UAK, Rektor Meincke: Nachruf auf Wolf Isselhard, Juni 1998; Anon.: "Wolf Isselhard 1930-1998", in: European Surgical Research. Clinical & Experimental Surgery, Bd. 31 (1), 1999, S. 1-2.