Werner Scheid

Rektor 1966 - 1967

* 22.07.1909 (Dortmund), † 25.12.1987 (Köln)
Professor für Neurologie und Psychiatrie
Dr. med. Dr. med. h.c.

Werner Scheid (geb. am 22.7.1909 in Dortmund) studierte an den Universitäten München, Halle, Bonn, Berlin, Breslau und Heidelberg Medizin. 1933 absolvierte er sein Staatsexamen in Heidelberg und wurde anschließend in München mit der Arbeit "Der Zeiger der Schuld in seiner Bedeutung für die Prognose involutiver Psychosen" promoviert. Nach erfolgter Approbation wurde er Assistent am Institut der deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München bei Kurt Schneider. Durch die sich verändernden Bedingungen in der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus riet ihm Schneider, das Fachgebiet zu wechseln. Scheid ging daraufhin in die Neurologie an der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf zu Heinrich Pette, wo er sich 1946 für die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie habilitierte. Danach wurde er Oberarzt der Universitätsklinik, zudem Chefarzt der Neurologischen Abteilung des neu gegründeten Allgemeinen Krankenhauses Heidelberg in Hamburg-Langenhorn. 1949 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Neurologie und Psychiatrie an die Universität zu Köln. 1950 ernannte man ihn auch zum Direktor der stark zerstörten Nervenklinik, deren Wiederaufbau nahm er sofort in Angriff nahm. Bis 1977 war er hauptamtlicher und von 1978-79 kommissarischer Leider der Nervenklinik, die er in dieser Zeit um die Spezialabteilungen für Neurophysiologie, Neurochemie und Neuropathologie erweiterte. Werner Scheid gründete in Köln die erste Neuropsychiatrische Intensivstation in Deutschland sowie ein Rehabilitationszentrum für infektiöse Erkrankungen des Nervensystems. In den Jahren 1951-52 wählte man ihn zum Dekan der medizinischen Fakultät, 1966-67 zum Rektor der Universität zu Köln. Sein Erfolg lag nicht nur auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung und seiner Tätigkeit als Arzt. Auch seine Lehr- und Vortragstätigkeit war besonders angesehen, weshalb er mehrfach ausgezeichnet wurde. Er war Mitglied der Leopoldina in Halle, Mitglied der Ärztegesellschaft Kroatiens, Mitglied des Kuratoriums der Internationalen neuropsychiatrischen Symposien in Pula/Jugoslawien und wurde von der Medizinischen Fakultät der Universität München mit der Ehrendoktorwürde geehrt. Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit waren die körperlich begründbaren Psychosen, Probleme pathologischer Liquorveränderungen, grundlegende Untersuchungen über Pathogenese und den Verlauf der diphtherischen Polyneuropathie, Durchblutungsstörungen des Gehirns und seiner Häute, schließlich auch Infektionskrankheiten des Nervensystems insbesondere die Virusinfektionen. In diesem Zusammenhang reiste er mehrfach für längere Zeit in die USA, um seine Forschungen an verschiedenen Virus-Instituten zu vertiefen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er in etwa 140 Publikationen. Besondere Bedeutung hatte dabei seinem "Lehrbuch für Neurologie", das er 1963 zusammen mit Mitarbeitern verfasste und das 1983 in der 5. Auflage erschien. Bei seiner Rektoratsrede über "Psychiatrie und Öffentlichkeit" versuchte er, Vorurteile, die gegenüber psychisch Kranken und psychiatrischen Kliniken häufig gefällt werden, darzustellen und auszuräumen. "Immer wieder begegnen wir völlig abwegigen Vorurteilen: Von einer Psychose befallen zu werden, bedeutet für die Umgebung des Kranken häufig genug Schande und Minderwertigkeit. Oft tauchen zugleich verworrene Vorstellungen von erheblicher Belastung und Schuld der Väter auf. Wie oft müssen wir es erleben, daß die Diagnose der Psychose von den Angehörigen empört zurückgewiesen wird unter Hinweis auf die geordneten Familienverhältnisse [...] als ob es um einen Diebstahl gehe und nicht um eine Krankheit, die genauso wie ein Krebsleiden oder ein Schlaganfall jeden Menschen als ein schweres Schicksal heimsuchen kann." Er wies darauf hin, dass die abwertende Einstellung gegenüber psychisch Kranken in deren organisierter Vernichtung während des Nationalsozialismus gipfelte, aber schon lange vorher ideologisch vorbereitet worden sei. Werner Scheid starb am 25. Dezember 1987 in Köln.

Quellen: Werner Scheid: Psychiatrie und Öffentlichkeit, Kölner Universitätsreden 36, Krefeld 1967, S. 5-26, UAK, Rektor Hanau: Nachruf auf Werner Scheid, Februar 1988; Erich Meuthen (Hrsg.): Kölner Universitätsgeschichte, Bd. III: Die neue Universität. Daten und Fakten, Köln u.a. 1988, S. 160f.; GR Fink: "Werner Scheid (1909-1987)", in: Der Nervenarzt, Vol 72 (12), 2001, S. 975-976.