Theodor Kraus

Rektor 1958 - 1960

* 15.08.1894 (Neuwied), † 07.10.1973 (Broichenweiden bei Aachen)
Professor für Wirtschafts- und Sozialgeographie
Dr. phil.

Theodor Kraus (geb. am 15.8.1894 in Neuwied) studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte er an verschiedenen Fronten in Ost- und Westeuropa sowie in der Türkei. Im WS 1920/21 konnte er nur unter finanziell schwierigen Bedingungen sein Studium an der Universität Köln fortsetzen. Er konzentrierte sich auf Geografie und Geologie, schließlich auch Staats- und Wirtschaftswissenschaften bei Schmalenbach, Thiess, Eckert und Kuske. 1924 wurde Theodor Kraus über "Die Eisenbahnen in den Grenzgebieten von Mittel- und Osteuropa" in Köln promoviert. Anschließend arbeitete er als Assistent am Geographischen Institut bei Paul Thorbecke und habilitierte sich 1929 mit der wirtschafts-landeskundlichen Arbeit "Das Sieger-Land, ein Industriegebiet im Rheinischen Schiefergebirge". 1935 wurde er an der Universität zu Köln n.b. a.o. Prof. für Allgemeine Geografie und Geografie der Rheinlande. 1938 ernannte man ihn zum apl. a.o. Professor und Diätdozenten. 1940-42 lehrte er als Gastprofessor an der Universität Lüttich. 1944 war er o. Prof. für Wirtschaftsgeographie und Landeskunde an der Universität zu Köln. Hier bestellte man ihn auch zum Direktor des Geographischen Instituts. 1948 wechselte er in der gleichen Funktion an die Universität Würzburg, wo er das völlig zerstörte Geographische Institut wiederaufbaute. 1950 kehrte er als erster Ordinarius für Wirtschaftsgeographie an die Kölner Universität zurück und wurde Direktor des Wirtschaftsgeographischen Instituts, das er bis 1962 leitete. Von 1952-53 wählte man Theodor Kraus zum Dekan der WiSo-Fakultät und von 1958-60 für zwei Wahlperioden zum Rektor der Universität zu Köln. Seit 1960 wurde das Ordinariat auf Wirtschafts- und Sozialgeographie erweitert. 1963 zog er nach seiner Emeritierung nach Broichweiden und war als Honorarprofessor noch mehrere Semester an der TH Aachen tätig. In den 1950er und '60er Jahren lehrte Kraus zudem an verschiedenen Verwaltungsakademien im Rheinland und in Westfalen. Außerhalb der Universität engagierte er sich als Vorsitzender im Zentralausschuss für deutsche Landeskunde, von 1953-55 als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für deutsche Landeskunde und des Instituts für Raumforschung. Gleichzeitig war er Vorsitzender des Verbandes Deutscher Hochschullehrer der Geographie und Vorsitzender des Zentralverbandes der deutschen Geographen. Von 1949-56 wählte man ihn zum Gutachter und Hauptgutachter der DFG. Er war seit 1950 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes NRW, der späteren Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, und in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, sowie Mitglied der Sachverständigenkommission für Raumordung von 1957-61. An seinem 70. Geburtstag wurde Theodor Kraus das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, zu seinem 75. Geburtstag zeichnete ihn der Zentralausschuss für deutsche Landeskunde mit der Robert-Gradmann-Medaille aus. Sein wesentliches Verdienst liegt im Auf- und Ausbau der Wirtschaftsgeografie durch grundlegende theoretische Beiträge in den Bereichen der Geografie und der Wirtschaftswissenschaften. In seiner Arbeit "Der Wirtschaftsraum. Gedanken zu seiner geographischen Erforschung" (1933) widmete Kraus sich fachübergreifenden Fragestellungen. Damit förderte er die Eigenständigkeit dieser Disziplin im Wissenschaftssystem. Seine vielfachen Analysen zur Position der Wirtschaftsgeografie in ihrem Verhältnis zu anderen Disziplinen erschienen 1960 zusammengefasst in der Schrift "Individuelle Länderkunde und räumliche Ordnung". Neben der Methodik der Wirtschafts- und Sozialgeografie waren die Stadt-, Industrie- und Verkehrsgeografie Schwerpunkte seiner Arbeit. Er beschäftigte sich intensiv mit den angewandten Bereichen der Raumforschung und Landesplanung ("Die Gemeinde und ihr Territorium. Fünf Gemeinden der Niederrheinlande in geographischer Sicht", 1971). Bei seinen länderkundlichen Studien beschäftigte er sich vor allem mit der Geografie Westdeutschlands und Westeuropas ("Eupen-Malmedy-St. Vith. Landschaft, Besiedlung, Bevölkerung" 1934; "Die Ardennen. Eine geographische Einführung", 1940). Hinzu kamen Beiträge über Indonesien, Nordafrika sowie über Nord- und Zentralamerika ("Die Schwerindustriegebiete der Vereinigten Staaten von Amerika", 1953). In diese Regionen unternahm er auch zahlreiche Exkursionen. Innerhalb der Stadtgeografie lieferte Kraus Monografien über Großstädte wie Köln (1954) und Maastricht (1967), sowie über Kleinstädte wie Neuwied (1953) und Euskirchen (1955). Darüber hinaus beschrieb er großräumliche Ordnungen wie das rheinisch-westfälische Städtesystem und "Über das geographische Wesen der fünf traditionellen Kontinente" (1968). Kraus' Forschungsbeiträge zur Wirtschaftsgeografie der Niederlande, Frankreichs und Belgiens und seine Gastdozentur in Lüttich wurden 1999 als Beiträge zur "Westforschung" gewertet (siehe Fahlbusch). Theodor Kraus starb am 7. Oktober 1973 in Broichweiden bei Aachen.

Quellen: UAK, Zug. 571, Nr. 118; Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 484; Ges. für Wirtschafts- u. Sozialwissenschaften (Hrsg.): Die Hochschullehrer der Wirtschaftswissenschaften, Berlin, 2. Aufl., 1966, S. 385; UAK, Zug. 9, Nr. 646; UAK, Rektor Stern: Nachruf auf Theodor Kraus, Oktober 1973; Götz Voppel: Gedenkrede anläßlich der Gedenkfeier der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln zu Ehren von Theodor Kraus am 26. Juni 1974, in: Erich Otremba u.a. (Hrsg.): 25 Jahre Forschung und Lehre im Wirtschafts. und Sozialgeographischen Institut der Universität zu Köln, Wiesbaden 1975, S.-21; Götz Voppel: Theodor Kraus (1894 bis 1973), in: Friedrich-Wilhelm Henning (Hrsg.): Kölner Volkswirte und Sozialwissenschaftler, Köln 1988, S. 139-166; Hannelore Ludwig: Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Lehre in Köln von 1901 bis 1989/1990, Diss. Univ. Köln 1990, Köln u.a. 1991, S. 153; Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die "volksdeutschen Forschungsgemeinschaften" von 1931-1945, Baden-Baden 1999, S. 382, 409, 692, 707; Kat.: Von der Handelshochschule zur Universität. 100 Jahre Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Lehre und Forschung in Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Köln 2001, S. 69-71; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 178, 191, 194.