Peter Hanau

Rektor 1986 - 1989

* 13.07.1935 (Berlin)
Professor für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Sozial- und Privatversicherungsrecht
Dr. iur. Dres. iur. h.c.

Peter Hanau (geb. am 13.7.1935 in Berlin) studierte Rechtswissenschaften in Freiburg i.Br. und Göttingen, wo er 1963 zum Dr. jur. promoviert wurde. 1968 habilitierte er sich dort für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Sozial- und Privatversicherungsrecht bei Franz Gamillscheg mit der Schrift "Die Kausalität der Pflichtverletzung". Ein Jahr später wurde er als o. Prof. für Privatrecht an die Freie Universität Berlin berufen. Dort forschte und lehrte er bis 1972 und war zudem von 1971-72 Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Anschließend folgte er dem Ruf an die Universität zu Köln als o. Prof. für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht. Bis zu seiner Emeritierung war er hier auch Direktor des Forschungsinstituts für Sozialrecht. In der Zeit von 1980-81 war Peter Hanau Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bzw. 1. Vorsitzender des Fachbereiches Rechtswissenschaft. Für die Amtsperiode von 1986-1989 wurde er zum Rektor der Universität zu Köln gewählt. Von 1984-92 ernannte man Peter Hanau zum Mitglied der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentages. Im Jahr der Wiedervereinigung wurde Hanau am 24.4.1990 zum Präsidenten des Deutschen Arbeitsgerichtsverbandes gewählt, dessen Ehrenpräsident er seit 1999 ist. Während seiner Amtszeit als Rektor der Kölner Hochschule war Peter Hanau gemeinsam mit Prof. Hartmut Krüger an der Entstehung der neuen Satzung der Universität beteiligt. Darin werden die im Gesetz über die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen offengelassenen Punkte geregelt, insbesondere die drei Grundprinzipien "Integration der Universitätsmitglieder und -angehörigen in die Willensbildung der Universität; Effizienz in Bildung und Arbeitsweise der Universitätsgremien; Beibehaltung der Tradition im Äußeren und Inneren der Universität, soweit noch zeitgemäß und mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar." Im WS 1988 überreichte Hanau dem 53.000sten Studenten der Universität zu Köln symbolisch einen Klappstuhl, mit dem er gleichzeitig seinem Protest gegen den Strukturplan der damaligen Bildungsministerin Anke Brunn Ausdruck verlieh. Trotz steigender Studentenzahlen sollten allein in Köln 74 Wissenschaftler-Stellen abgebaut werden. In seine Amtszeit als Rektor fiel zugleich die Organisation der Feier zum 600-jährigen Bestehen der Kölner Hochschule (1988). Die Universitäten Uppsala/Schweden und in Ritsumeikan/Japan verliehen ihm die Ehrendoktorwürde des Dr. jur. h.c. Im Jahr 1999 wurde ihm die Festschrift "Arbeitsrecht und Sozialpartnerschaft" überreicht. Die Hauptarbeitsgebiete von Peter Hanau liegen auf dem Arbeits- und Sozialrecht sowie auf dem Wissenschaftsrecht. Er publizierte 1972 mit Klaus Adomeit das Standardwerk "Arbeitsrecht", dessen neubearbeitete 13. Aufl. 2005 erschien, 1995 das Grundwerk "Der Arbeitsvertrag – Praxis – Kommentar – Muster (mit Ulrich Preis u.a.) als Loseblattsammlung, 1999 "Gehaltsumwandlung zur betrieblichen Alterversorgung" (mit Marco Arteaga). Daneben beteiligte Peter Hanau sich an Kommentaren zum BGB, zum Betriebsverfassungsrecht, zum Mitbestimmungsrecht und lieferte Gutachten für den Deutschen Juristentag (zuletzt "Welche arbeits- und ergänzende sozialrechtlichen Regelungen empfehlen sich zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit?", 2000). Arbeitsrechtliche Themen stellt er häufig auch in den europäischen und internationalen Zusammenhang, so in dem zusammen mit Rolf Wank und Heinz-Dietrich Steinmeyer verfassten "Handbuch des europäischen Arbeits- und Sozialrechts" (2002). In seiner vielfältigen Beschäftigung mit dem Arbeitsrecht sucht Peter Hanau den goldenen Mittelweg für die streitenden Parteien, in dem er Kompromisse stets als Gewinn für beide Seiten ansieht. Während innerhalb der Wirtschaftswissenschaften häufig der Flächen-Tarifvertrag als Grund für die Krise auf dem Arbeitsmarkt betrachtet wird, schlägt er Verbesserungen zu einer vielfältigeren Gestaltung des Arbeitsrechts vor. Die vollständige Freiheit vom Arbeitsrecht lehnt Hanau ab, da sie einen Rückfall in die Rechtslage in Deutschland vor 1914 bedeuten würde. In seiner Rektoratsrede kritisierte er eine oberflächliche Vorbereitung von Gesetzen, die häufig in der Politik unter Ausschluss von Wissenschaftlern entwickelt werden. Diese führen nicht nur zu einer Rechtszersplitterung, sondern häufig zu Rechtsunklarheit mit zunehmend verfassungsrechtlich bedenklichen sowie europarechtswidrigen Rechtsetzungen. Mehrfach forderte Hanau deshalb die Entwicklung eines Arbeitsvertragsgesetzes. Dieser Ansatz fand jedoch in Osteuropa und in Asien mehr Beachtung als in Deutschland. Außeruniversitäre Aktivitäten und Interessen Peter Hanaus liegen auf dem Gebiet der Gesellschaftspolitik. Peter Hanau ist seit dem 1.8.2000 emeritiert und lebt in Bergisch Gladbach.

Quellen: Kölner Universitäts-Journal 4, 1989, S. 8; Peter Hanau und Hartmut Krüger: "Die neue Satzung der Universität zu Köln", in: Wissenschaftsrecht. Wissenschaftsverwaltung. Wissenschaftsförderung", Bd. 24, 1991, S. 16-29. Udo Isenhardt u.a. (Hrsg.): Arbeitsrecht und Sozialpartnerschaft. Festschrift für Peter Hanau, Köln 1999.