Otto Tilmann

Rektor 1924 - 1925

* 17.08.1862 (Neuwied), † 12.01.1934 (Köln)
Professor für Chirurgie
Dr. med.
Geh. Medizinalrat

Otto Tilmann (geb. am 17.08.1862 in Neuwied) entschloss sich zu einer militärärztlichen Ausbildung, die ihm ohne große finanzielle Mittel ein Medizinstudium nach dem frühen Tod seiner Eltern ermöglichte. Am 20. März 1880 wurde er in das Königliche medizinisch-chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut in Berlin aufgenommen. Bindend war dabei eine halbjährige Dienstzeit mit der Waffe sowie eine achtjährige Verpflichtung als Militärarzt. Im August 1884 wurde Tilmann an der Charité in Berlin mit einer Arbeit über "Antipyrin, das neueste Antipyreticum" promoviert. Im Juni 1885 legte er das Staatsexamen ab und arbeitete bis 1892 als Militärarzt der preußischen Armee. Während einer Choleraepidemie hatte er die kaiserliche Familie in Potsdam zu schützen und wurde mit dem Roten-Adler-Orden IV. Klasse geehrt. Von 1892 bis 1897 absolvierte er an der Charité Berlin seine Facharztausbildung bei den Professoren von Bardenleben und König. Otto Tilmann erhielt 1897 einen Ruf als a.o. Prof. an die Universität Greifswald und war Sanitätsoffizier im Rang eines Stabsarztes. Dort war er auch Leiter der poliklinischen chirurgischen Abteilung an der Universitätsklinik. Er entschied sich, seine aktive militärische Laufbahn zugunsten der Chirurgie und der wissenschaftlichen Tätigkeit aufzugeben und folgte einem Ruf der Stadt Köln an die 1904 gegründete Akademie für praktische Medizin. Als Professor für Chirurgie trat er gleichzeitig eine Stelle als 2. Oberarzt im Bürgerhospital und Augustahospital an. Im November 1908 wurde die nach seinen Wünschen erbaute Chirurgische Klinik Lindenburg fertiggestellt und Tilmann zum Chefarzt und Leiter der Klinik bestellt. 1911 erwarb er den Titel Geheimer Medizinalrat. Im Ersten Weltkrieg war Otto Tilmann als beratender Chirurg beim 16. Armeekorps in Ivangorod tätig und erhielt das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse. Durch die Eingabe Konrad Adenauers konnte er im Dezember 1915 wieder an die Städtischen Krankenanstalten nach Köln zurückkehren. Im Jahr 1919 berief man ihn als Ordinarius an die Universität zu Köln, wo man ihn 1924-25 zum Rektor und 1926-27 zum Dekan der Medizinischen Fakultät wählte. In der Zeit seines Rektorates setzte er sich für den Ausbau der Medizinischen Fakultät zur Vollfakultät ein. Er wurde 1930 im Alter von 68 Jahren emeritiert. Otto Tilmann beschäftigte sich mit der Kriegschirurgie, Gehirnchirurgie, Orthopädie und Bauchchirurgie. Während seiner Facharztausbildung war er aktiv an dem wissenschaftlichen Werk des Kriegsministeriums beteiligt, in dessen Auftrag 1893 an der Kaiser-Wilhelm-Akademie Schießversuche mit kleinkalibrigen Gewehren an Präparaten durchgeführt wurden. Diese Forschungsarbeit verfolgte Tilmann während seiner gesamten chirurgischen Laufbahn und hat die Ergebnisse in zahlreichen Arbeiten, wie die "Wirkung und kriegschirurgische Bedeutung der neuen Handfeuerwaffen" (1893) veröffentlicht. Ein weiteres Themengebiet, an dem er intensiv arbeitete, war die operative Behandlung der Epilepsie nach Traumen. Innerhalb von 25 Jahren führte er diese hirnchirurgischen Eingriffe über eintausend Mal durch. Neben seiner akademischen Tätigkeit setzte sich Otto Tilmann, ähnlich seiner Frau Ilse Tilmann, stark auf sozialen und karitativen Gebieten ein. Er gründete die Krankenpflegeschule an der Akademie, förderte die Tätigkeit des Kölner Roten Kreuzes, des Katholischen Krankenfürsorgevereins vom Roten Kreuz und die St. Josephsgesellschaft in der Krüppelfürsorge. Otto Tilmann starb am 12. Januar 1934 in Köln.

Quellen: Otto Tilmann: "Rückblicke und Ausblicke in der Chirurgie", in: Kölner Universitätsreden, 12, Köln 1924; Senatskommission für die Geschichte der Universität zu Köln (Hrsg.): Kölner Universitätsgeschichte, Bd. II, Das 19. und 20. Jahrhundert, Köln u.a. 1988, S. 438; Ursula Köhler: Otto Tilmann (1862-1934) und seine Frau Ilse geb. von Waldeyer-Hartz (1873-1961), Diss. Univ. Köln 1994; DBE, Bd. 10, München u.a. 1999, S. 44.