Karl Gustav Fellerer

Rektor 1967 - 1968

* 07.07.1902 (Freising/Bayern), † 07.01.1984 (München)
Professor für Musikwissenschaft
Dr. phil. Dr. art. h.c.

Karl Gustav Fellerer (geb. am 7.7.1902 in Freising/Bayern) studierte Komposition bei H. K. Schmid und J. Haas in München und besuchte anschließend bis 1922 die Regensburger Kirchenmusikschule. Hieran anknüpfend studierte er in München und Berlin Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie und wurde 1925 zum Dr. phil. mit der Arbeit "Beiträge zur Musikgeschichte Freisings von den ältesten christlichen Zeiten bis zur Auflösung des Hofes 1803" promoviert. An der Universität Münster habilitierte er sich im Alter von 25 Jahren mit der Schrift "Der Palestrinastil und seine Bedeutung in der vokalen Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts". Nachfolgend arbeitete er als Privatdozent in Münster und wurde 1929 Direktor des dortigen Musikwissenschaftlichen Seminars. 1932 berief man ihn als a.o. Professor an die Universität Freiburg (Schweiz). Ein Jahr später wurde er dort auch zum o. Professor und zum Direktor des Musikwissenschaftlichen Seminars ernannt, außerdem zum Direktor der Gregorianischen Akademie bestellt. 1939 folgte Fellerer dem Ruf auf ein Ordinariat für Musikwissenschaft an die Universität zu Köln, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1970 das Musikwissenschaftliche Institut leitete. Für die gleiche Zeitspanne leitete er hier auch das Collegium musicum vocale et instrumentale. 1941 trat er in die NSDAP ein. Während des Zweiten Weltkriegs leistete er von 1943-45 Wehrdienst und geriet 1945 in amerikanische Gefangenschaft. 1947 wurde er wieder mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Musikwissenschaftlichen Instituts betraut, seine Einsetzung als o. Prof. erfolgte erst am 27.6.1949. Seitdem förderte er den Wiederaufbau und Ausbau des Musikwissenschaftlichen Instituts, das zu einer der größten Einrichtungen dieser Art in der Bundesrepublik gehört. Er erweiterte vor allem die Bestände der Bibliothek und eröffnete u.a. die Abteilungen für Musikethnologie und musikalische Akustik. Weiterhin gründete er das Rheinische Musikarchiv und förderte die landschaftliche Musikforschung. In Köln wählte man Karl Gustav Fellerer von 1956-58 zum Dekan der Philosophischen Fakultät und von 1967-68 zum Rektor der Universität. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit arbeitete er für zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften und Forschungseinrichtungen. Er war Präsident der Joseph-Haas-Gesellschaft (1949-67) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte (1951-75). Seit 1964 leitete er den Arbeitskreis Musikgeschichte der Thyssen-Stiftung, war von 1971-80 Vorsitzender des Zentralinstituts für Mozartforschung in Salzburg und von 1973-76 Vorsitzender des Joseph-Haydn-Instituts in Köln. Beim Westdeutschen Rundfunk übernahm er von 1967-72 den Vorsitz des Programmbeirats. Schließlich wählte man ihn zum ordentlichen Mitglied der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften in Düsseldorf sowie der Akademien der Wissenschaften Brüssel, Kopenhagen und London. Karl Gustav Fellerer wurde das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse der Republik Österreich verliehen, nachdem er bereits 1968 die Mozart-Medaille erhalten hatte. Geehrt wurde er auch mit dem Komturkreuz des St. Gregorius-Ordens und mit dem Ehrendoktortitel der Künste der Universität Löwen/Belgien. Das wissenschaftliche Werk Karl Gustav Fellerers umfasst über 635 Publikationen. Er veröffentlichte schwerpunktmäßig Beiträge über die Geschichte der katholischen Kirchenmusik von der Gregorianik bis ins 19. Jahrhundert, wobei er auch intensiv die Aufführungspraxis dieser Werke untersuchte. Dazu gehören "Geschichte der katholischen Kirchenmusik" (1939), "Der Gregorianische Choral" (1936), "Die Aufführung der katholischen Kirchenmusik in Vergangenheit und Gegenwart" (1933), "Das deutsche Kirchenlied im Ausland" (1935), "Studien zur Musik des 19. Jahrhunderts" (posthum 1984). Hinzu kamen Monografien über Giovanni Pierluigi Palestrina, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart und Max Bruch ferner Beiträge über Giacomo Puccini und Edvard Grieg. Ein weiteres Forschungsgebiet war die italienische Musik um 1600 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Weiterhin beschäftigte sich Fellerer mit den Verbindungen der Musikwissenschaft zu Nachbardisziplinen, wie zur Soziologie, Medizin, Politik, aber auch mit der dem Thema der freien Improvisation und mit dem Einsatz von Computern in der Musikwissenschaft. Schließlich war er 46 Jahre lang Herausgeber des Kirchenmusikalischen Jahrbuchs von 1930-76. Ab 1941 edierte er die "Kölner Beiträge zur Musikforschung" (ca. 50 Bände) sowie ab 1951 "Denkmäler rheinischer Musik", dazu "Musica sacra" (1932-37), "Das Musikwerk" (1950ff.) und "Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts" (Bd. 1, 1965). Während seiner Zeit in Köln betreute er 136 Dissertationen und sechs Habilitationen. Seit 1996 wird die Rolle Karl Gustav Fellerers während des Nationalsozialismus kontrovers diskutiert (einerseits de Vries und Potter, andererseits Gutknecht). Karl Gustav Fellerer starb im Alter von 81 Jahren am 7. Januar 1984 im Münchener Hauptbahnhof auf dem Rückweg von einer kirchenmusikalischen Tagung in Innsbruck.

Quellen: Heinrich Hüschen (Hrsg.): Festschrift Karl Gustav Fellerer zum 60. Geburtstag, Regensburg 1962; UAK, Rektor Gutmann: Nachruf auf Karl Gustav Fellerer, Februar 1984; Akademische Gedenkfeier des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln für Karl Gustav Fellerer, Kölner Universitätsreden 63, Köln 1984; Siegfried Koß u. Wolfgang Löhr: Biographisches Lexikon des KV, Teil 1, Schernfeld 1991, S. 31f., DBE, Bd. 3, 1996, S. 11, Willem de Vries: Sonderstab Musik. Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45, (engl. Ausg. 1996), Köln 1998; Pamela M. Potter: Die deutscheste der Künste. Musikwissenschaft und Gesellschaft von der Weimarer Republik bis zum Ende des Dritten Reichs, (amerikan. Ausg. 1998), Stuttgart 2000; Dieter Gutknecht: "Fellerer, Karl Gustav", in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, 2001, Sp. 932-938; Dieter Gutknecht: "Einige Ergänzungen zu K.G. Fellerers Vita zur Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit", Manuskript, soll erscheinen in der Zeitschrift "The Musical Quarterly"; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 177, 192.