Josef Kroll

Rektor 1930 - 1931 und 1945 - 1949

* 08.11.1889 (Arnsberg), † 08.03.1980 (Duisburg-Rheinhausen)
Professor für klassische Philologie
Dr. phil.

Josef Kroll (geb. am 8.11.1889 in Arnsberg) studierte klassische Philologie von 1908-13 an den Universitäten Münster, Freiburg i.Br., Berlin und Göttingen. Er wurde 1913 an der Universität Münster über "Die Lehren des Hermes Trismegistos", einen Schriften-Korpus mit altägyptischen Legenden um den Gott der Schrift und Gelehrsamkeit Thot, promoviert. Es handelt sich dabei um mystische, aus mehreren Religionen (ägyptische, griechische, christliche, jüdische und islamische) zusammengeführte Texte. Kroll erweiterte seine Dissertation zu einer umfangreichen Publikation, die wegen seiner Erläuterungen zu den schwerverständlichen Überlieferungen von der Wiener Akademie ausgezeichnet wurde. Nach einer kurzen Assistenzzeit am philologischen Seminar der Universität Breslau meldete er sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst. Nach mehreren Kriegsverletzungen konnte er 1916 seine wissenschaftlichen Forschungen fortsetzen. 1918 erhielt er mit 29 Jahren einen Ruf als o. Prof. für klassische Philologie an die Katholische Akademie Braunsberg (Ostpreußen), 1922 folgte er dem Ruf an die Universität zu Köln, wo er bis zu seiner Emeritierung 1956 blieb. Seit seiner Berufung in Köln konzentrierte er sich darauf, das Institut für klassische Philologie mit angrenzenden Fächern zu erweitern und in ein umfassenderes "Institut für Altertumskunde" umzuwandeln. Er sorgte dafür, dass in den 1920er Jahren die Archäologie als Studienfach in Köln angesiedelt wurde. Von 1924-25 wählte man ihn zum Dekan der Philosophischen Fakultät, von 1930-31 zum Rektor der Universität zu Köln. Nach der "Gleichschaltung" der Kölner Universität legte er den Vorsitz des Verwaltungsausschusses nieder und engagierte sich fortan nicht mehr für die universitären Gremien. Ab Ende Oktober 1944 übernahm er aber stellvertretend für den erkrankten Medizinprofessor Friedrich Bering Rektoratsaufgaben. Außerdem vertrat er den, an die Ausweichstelle der Universität zu Köln, nach Marburg entsandten Prof. Heimsoeth als Dekan der Philosophischen Fakultät. Die Vertretung des Rektorats wurde in eine kommissarische Leitung überführt, bis Kroll am 5. November 1945 erneut zum Rektor gewählt wurde. Seine 2. Wiederwahl am 3.7.1948 erreichte er nur mit knapper Mehrheit. Während seiner Amtszeit von 1945-49 lehnte er jegliches parteipolitisches Engagement der Universität sowie eine starke Praxisorientiertheit der Hochschule ab. Er fühlte sich der Humboldtschen Universalität verpflichtet und wandte sich gegen Spezialisierungen, wie sie später z.B. durch die Trennung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät von der Philosophischen Fakultät geschah. Kroll artikulierte den Konflikt zwischen dem an humanistischen Idealen orientierten Neubeginn von Wissenschaft und Lehre und der pragmatischen Notwendigkeit, mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern weiterzuarbeiten. In seine zweite Amtszeit als Rektor fällt die Umbenennung der Kölner Hochschule in die heute gültige Bezeichnung "Universität zu Köln", die auf seine schon in den 1930er Jahren eingeleitete Initiative zurückgeht. Josef Kroll förderte nach dem Krieg nicht nur den Wiederaufbau der Universität, sondern engagierte sich in zahlreichen kulturellen Bereichen. Er setzte sich für die Instandsetzung der Musikhochschule, für das Gürzenich-Orchester, das Theater- und Konzertwesen, die Rückführung und Reorganisation der Kunstsammlungen, schließlich für die Wiedereröffnung der Schulen und Bibliotheken ein. Er war Gründungsmitglied der "Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen" und Beigeordneter der Stadt Köln für Kultur und Schulwesen. Darüber hinaus arbeitete er mit dem Kulturausschuss des Landtages zusammen und gehörte zu den Mitbegründern der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Für seine Leistungen wurde er 1956 zum Ehrenbürger der Universität zu Köln gewählt und 1959 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der Schwerpunkt seiner Forschungen lag auf dem Gebiet der antiken, insbesondere der spätantiken Religionsgeschichte. Dabei beschäftigte er sich sowohl mit formgeschichtlichen als auch mit ideengeschichtlichen Fragestellungen und berücksichtigte gleichermaßen christliche wie nichtchristliche Texte. In seinem Hauptwerk "Gott und die Hölle" (1932) behandelte er das mythische Motiv des Abstiegs einer Gottheit in die Unterwelt und stellte dabei christliche Vorstellungen in einen Zusammenhang mit überlieferten Unterweltschilderungen von alten griechisch-römischen, jüdischen, ägyptischen, indischen und iranischen Kulturvölkern. Josef Kroll starb im Alter von 90 Jahren am 8. März 1980 in Duisburg-Rheinhausen. Die Bücher seiner privaten Bibliothek, die den Bereich der klassischen Philologie abdeckten, vermachte er testamentarisch der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek.

Quellen: Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 409-410; Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln, Köln 1961, S. 194; Karl-Heinrich Hansmeyer (Hrsg.): 600 Jahre Kölner Universität. Von der mittelalterlichen Alma mater zum zukunftsorientierten Zentrum der Wissenschaft, (Köln 1988), Abb. 16; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 388; Senatskommission für die Geschichte der Universität zu Köln (Hrsg.): Kölner Universitätsgeschichte, Bd. II, Das 19. und 20. Jahrhundert, Köln u.a. 1988, S. 341f., 377-382; 604-606.; DBE, Bd. 6, München u.a. 1997, S. 113; Margret Lemberg: "Schließung oder Verlegung – Die Kölner Universität im Wintersemester 1944/45", in: Geschichte im Westen, Jg. 15, (2000), S. 31-48; Andreas Freitäger: "Josef Kroll (1889-1980)", in: Kölner Sammler und ihre Bücherkollektionen in der Universitäts- und Stadtbibliothek, Köln 2003, S. 189-195; Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur Nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Heidelberg 2004, S. 100; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 198-199, Andreas Freitäger: "1945 an der Universität 'zu' Köln", in: Kulturelles Veranstaltungsverzeichnis der Universität zu Köln, WS 2005/06, S. 7-11.