Hermann Jahrreiß

Rektor 1956 - 1958

* 19.08.1894 (Dresden), † 23.10.1992 (Köln)
Professor für Öffentliches Recht, Völkerrecht, Rechts- und Staatsphilosophie
Dr. iur. Dr.h.c. Dr. h.c. Dr. h.c. LL.D. h.c.

Ursprünglich wollte Otto Emil Hermann Jahrreiß (geb. am 19.8.1894 in Dresden) an der Akademie in Dresden Kunst studieren, schrieb sich aber auf Anraten seines Vaters ohne besondere Begeisterung in Leipzig für Rechtswissenschaften ein. Die Pflichtveranstaltungen zur Rechtsgeschichte, insbesondere die Vorlesungen von Rudolf Sohm, Richard Schmidt und Ludwig Mitteis faszinierten ihn dann aber so, dass er bis zum Referendarexamen mit wachsendem Elan studierte und 1921 promoviert wurde . Während seiner Anstellung als Richter am Amts- und Landgericht Leipzig von 1922-27 habilitierte er sich für Völkerrecht und Staatsrecht. 1926 wurde er apl., 1927 a.o. Prof. an der dortigen Universität. 1932 folgte er einem Ruf als Ordinarius für Öffentliches Recht, Völkerrecht und der Rechts- und Staatsphilosophie an die Universität Greifswald. Bis auf zwei Unterbrechungen durch eine Lehrtätigkeit in Göttingen 1939-40 und in Innsbruck 1944-45 forschte und lehrte Jahrreiß von 1937 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962 an der Universität zu Köln. Er war von 1939-42 und von 1951-52 Dekan der Juristischen Fakultät und von 1956-58 Rektor der Hochschule. Einfluss auf die Hochschulpolitik nahm Hermann Jahrreiß auch als Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz (1958-60) und als Vizepräsident der Europäischen Rektorenkonferenz (seit 1960). Er setzte sich wiederholt für eine Universitätsreform ein. 1984 ernannte die Universität zu Köln ihn zum Ehrenbürger. 1946-47 war er an den Prozessen gegen deutsche Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg beteiligt. Er arbeitete mit an dem dazugehörigen Dokumentenwerk, hielt vor dem Tribunal eine umfassende Rede zu völker- und staatsrechtlichen Grundfragen und war Mitverteidiger des angeklagten Chefs des Wehrmachtsführungsstabes Alfred Jodl. In seiner wissenschaftlichen Arbeit konzentrierte Jahrreiß sich auf die Eingliederung der Rechtsordnung in die Sozialordnungen ("Freiheit und Sozialstaat", 1957) und den Übergang vom klassischen Völkerrecht zu übernationalen Ordnungen ("Der Bruch des zwischenstaatlichen Friedens und seine Strafbarkeit", 1948). Neben zahlreichen anderen Forschungsfragen beschäftigte er sich intensiv mit drei Problemen: Wie Krieg und Recht zueinander stehen, das Wesen des Gesetz-Gebens ("Berechenbarkeit und Recht", 1927) und Paneuropa ("Europa als Rechtseinheit",1929). Ehrenpromotionen erhielt Hermann Jahrreiß von den französischen Universitäten Clermont-Ferrand, Dijon und Nancy sowie von der englischen Universität Manchester. 1959 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Neben seiner anspruchsvollen Tätigkeit als Jurist malte und zeichnete Jahrreiß sein Leben lang. Es entstanden insbesondere zahlreiche Porträts und Landschaften. Jahrreiß erklärte sich bereit, seine verstorbenen Amtskollegen Bohne (1961) und Peters (1966) posthum nach Porträtskizzen darzustellen. 1987 stellte die Universität zu Köln 60 seiner Werke aus und veröffentlichte dazu einen Katalog. Er starb im Alter von 98 Jahren am 23.10.1992 in Köln.

Quellen: Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 59-60; Carl Carstens u. Hans Peters (Hrsg.): Festschrift für Hermann Jahrreiß zu seinem siebzigsten Geburtstag, Köln u.a. 1964; UAK, Zug. 571, Nr. 239; Ignaz Seidl-Hohenveldern (Hrsg.): Festschrift für Hermann Jahrreiß zum 80. Geburtstag, Institut für Völkerrecht u. ausländisches öffentliches Recht d. Universität zu Köln 1974; Hermann Jahrreiß: "Sich mühen um Recht und Gesetz", in: Festschrift der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zur 600-Jahr-Feier der Universität zu Köln, Köln u.a. 1988; S. 699-706; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 278, 285, 402, 412; DBE, Bd. 5, München u.a. 1997, S. 293; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 189.