Herbert Wiedemann

Rektor 1979 - 1981

* 21.10.1932 (Berlin)
Professor für Bürgerliches Recht, Handels-, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht, Rechtsvergleichung
Dr. iur.

Herbert Wiedemann (geb. am 21.10.1932 in Berlin) besuchte das Wilhelms-Gymnasium in München und legte dort sein Abitur im Jahre 1951 ab. Anschließend verfolgte er seine musikalische Ausbildung, zeitweise am Mozarteum in Salzburg und am Konservatorium Luzern. Auf Wunsch seines Vaters studierte er gleichzeitig Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort wurde er 1958 während seiner Referendarzeit mit einer Arbeit zum verbandswidrigen Streik bei Alfred Hueck promoviert. Nach dem Assessorexamen und einer mehrjährigen Tätigkeit bei Prof. Rolf Dietz habilitierte er sich 1963 an der Münchener Fakultät mit der Schrift „Die Übertragung und Vererbung von Mitgliedschaftsrechten bei Handelsgesellschaften“. Anschließend arbeitete er als Privatdozent in München und Hamburg bis er 1965 einen Ruf an die Freie Universität Berlin annahm. Im Jahre 1966 folgte ein ausgedehnter Studienaufenthalt als Gastprofessor an der Law School der University of California Berkeley, der sein weiteres wissenschaftliches Arbeiten prägte. 1967 nahm er den Ruf an die Universität zu Köln an. Dort forschte und lehrte Wiedemann als o. Professor für Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht und war von 1969 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Arbeits- und Wirtschaftsrecht.

Von 1976-77 war er Dekan und bis 1979 Prodekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Nachfolgend wurde Wiedemann von 1979-81 zum Rektor der Universität zu Köln gewählt. In den zwei darauf folgenden Jahren war er noch als Prorektor tätig. Von 1986-96 arbeitete er im zweiten Hauptamt als Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf. Zudem war er mehrfach zu Forschungszwecken in der Law School in Berkeley und betreute von 1977 an den Studienaustausch zwischen Boalt Hall und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Köln. Seit 1981 ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf.

Während des Rektorats stellten sich für die Universitätsleitung zwei Herausforderungen: eine hochschulrechtliche und eine hochschulpolitische Aufgabe. Die Landesregierung hatte die Verschmelzung der Pädagogischen Hochschule mit der Universität zu Köln angeordnet. Das führte zu einer Erweiterung der Universität um zwei neue Fakultäten und zu einer Erhöhung der Studentenzahlen um ein Drittel auf rund 40.000 Studierende. Die für die Integration notwendigen Maßnahmen beschäftigten Rektor, Kanzler und Senat in großem Umfang, um in einzelnen Fragen der Eigenständigkeit der aufgelösten Hochschule gerecht zu werden. Eine Neufassung der Satzung der Universität selbst war daneben nicht möglich; angesichts stark divergierender Reformvorschläge war die Zeit für eine Neuordnung des Hochschulwesens noch nicht gekommen. Innerhalb seines Rektorates organisierte Wiedemann den Aufbau einer zentralen Studienberatung und die Herausgabe eines Studienführers. Die 1970er Jahre beschrieb Herbert Wiedemann einmal als eine für die klassischen Universitäten unfreundliche Zeit - verbunden mit Störungen der Lehrveranstaltungen sowie der Senats- und Fakultätssitzungen. Vielfach galt es, unsachgemäße Forderungen der Politik abzuwehren und den Stand der wissenschaftlichen und unabhängigen Forschung und Lehrtätigkeit zu bewahren.

Herbert Wiedemann wird als Autorität auf dem Gebiet des Arbeitsrechts, Handels- und Gesellschaftsrecht angesehen, wobei die Veröffentlichungen ihren Schwerpunkt im Tarifvertragsrecht sowie im Personengesellschafts- und Aktienrecht haben. Sein Forschungsinteresse gilt daneben dem allgemeinen Vertragsrecht. Er analysierte die Berührungspunkte verschiedener Rechtsdisziplinen, z.B. in seinem 1988 erschienenen Buch „Die Unternehmensgruppe im Privatrecht“. Dazu gehört auch, dass er in allen Bereichen ausländisches (vor allem französisches und anglo-amerikanisches) Privatrecht in seine Überlegungen einbezog. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören die 1965 erschienene Habilitationsschrift „Die Übertragung und Vererbung von Mitgliedschaftsrechten bei Handelsgesellschaften“ und das zweibändige Werk „Gesellschaftsrecht. Ein Lehrbuch des Unternehmens- und Verbandsrechts“ (Bd. 1, 1980 und Bd. 2, 2004). Weitere Veröffentlichungen sind der „Großkommentar zum Aktiengesetz“ (4. Aufl. zusammen mit Klaus J. Hopt); das „Tarifvertragsgesetz. Kommentar“(Hrsg. und Mitautor). Beiträge zum Allgemeinen Schuldrecht in: „Soergel, Kommentar zum BGB „ (12. Aufl.); „Die Gleichbehandlungsgebote im Arbeitsrecht“ (2002). Daneben erschienen zahlreiche Aufsätze, Vorträge, Urteilsanmerkungen u.a. Schriften. Als Mitherausgeber war er tätig in der Schriftenreihe des Instituts für Arbeits- und Wirtschaftsrecht der Universität zu Köln, im „Recht der Arbeit“, in der “Arbeitsrechtlichen Praxis“ und zusammen mit Marcus Lutter bei der Gründung der „Zeitschrift für Unternehmens- und Gesellschaftsrecht“ (1972). Seit seiner Emeritierung 1998 lebt Herbert Wiedemann in Overath-Immekeppel.

Quellen: Rolf Wank u.a. (Hrsg.): Festschrift für Herbert Wiedemann zum 70. Geburtstag, München 2002; Verein zur Förderung der Rechtswissenschaft (Hrsg.): Akademische Feier am 8. November 2002 in der Universität zu Köln zur Übergabe einer Festschrift für Herbert Wiedemann, Köln 2003; Fleischer, in: „Deutsche Zivilrechtslehre im 20. Jahrhundert“ (2007, S. 167).