Heinrich Lehmann

Rektor 1921 - 1922

* 20.07.1876 (Prüm/Eifel), † 07.02.1963 (Köln)
Professor für Römisches Recht, Bürgerliches Recht, Zivilprozeß- und Handelsrecht
Dr. iur.

Heinrich Lehmann (geb. am 20.7.1876 in Prüm/Eifel) verbrachte seine Kindheit in Saarbrücken und Köln. Als Mitschüler von Konrad Adenauer besuchte er das Apostelngymnasium. Sein Rechtsstudium begann Lehmann in Freiburg i.Br. und kam über München und Berlin an die Universität Bonn. Hier arbeitete er seit 1902 als Gerichtsassessor und Hilfsrichter. 1904 wurde er als Schüler Ernst Zitelmanns über "Die Unterschrift im Tatbestande der schriftlichen Willenserklärung" promoviert. In Bonn habilitierte er sich 1906 mit einer Arbeit über "Die Unterlassungspflicht im Bürgerlichen Recht". 1911 war er Extraordinarius in Jena und bekam schon ein Jahr später ein Ordinariat für Römisches und Deutsches Bürgerliches Recht. Zudem arbeitete Lehmann am dortigen Oberlandesgericht als Oberlandesgerichtsrat. 1917-18 folgte er einem Ruf an die Universität Straßburg, wo er aber nach dem Ersten Weltkrieg durch die französischen Behörden ausgewiesen wurde. Seine Frau und drei seiner vier Kinder musste Lehmann zunächst dort zurücklassen. 1920 erhielt er durch die Vermittlung Adenauers einen Ruf an die Universität zu Köln. Hier war er eines der ersten Mitglieder der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und wurde drei Mal (1920-21, 1928-29 u. 1935-37) zum Dekan gewählt. Von 1921-22 amtierte er als Rektor der Universität zu Köln. Als Lehmann nach Köln berufen wurde, galt er bereits als einer der Pioniere des Wirtschaftsrechts und gründete das Seminar für Handels- und Industrierecht. Nach mehrfacher Erweiterung wurde das Seminar 1929 in Institut für Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht und Auslandsrecht umbenannt, wobei Lehmann die Leitung der Abteilung Wirtschaftsrecht übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg suspendierten die britischen Militärbehörden Lehmann von seinem Dienst. In dieser Zeit verfasste er seine Lebenserinnerungen, die erst posthum 1976 von seinem Schüler Gerhard Kegel veröffentlicht wurden. Nach mehreren Berufungsverfahren wurde Lehmann am 6.11.1947 als "entlastet" eingestuft und am 31.3.1948 im Alter von 71 Jahren emeritiert. Danach folgten zahlreiche Auszeichnungen. Die Universitäten Münster und Köln verliehen ihm die Ehrendoktorwürde Dr. rer. pol. Zu seinem 80. Geburtstag ernannte ihn die Universität zu Köln zum Dr. phil. h.c., gleichzeitig wurde ihm in Anwesenheit des Bundeskanzlers Adenauer das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie der päpstliche Gregorius-Orden verliehen. Die Accademia Nazionale dei Lincei in Rom wählte ihn zu ihrem auswärtigen Mitglied. Zudem war er Mitglied der International Law Association in London sowie Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Urheberrecht. Die Forschungsschwerpunkte von Heinrich Lehmann lagen auf den Gebieten Handelsrecht und Bürgerliches Recht, Wirtschafts- und Arbeitsrecht. Außerdem widmete er sich dem Prozessrecht, dem Familien- und Erbrecht, der Rechtsphilosophie und vereinzelt der Juristenausbildung. 1913 veröffentlichte er "Die Grundlagen des deutschen Industrierechts", die zu seinen wichtigsten Beiträgen gerechnet werden. Das von Ludwig Enneccerus begründete Lehrbuch des Bürgerlichen Rechts, in dem Lehmann das Recht der Schuldverhältnisse bearbeitete, wurde das Standardwerk auf diesem Gebiet (15. Bearbeitung 1958). Das BGB von 1900 sah Lehmann als Durchgangspunkt an. Für ihn war es ein wandelbares, lebensnahes und politisches Privatrecht, das dem Zweck dienen sollte, das Wohl der Mitglieder der Rechtsgemeinschaft zu fördern. In der Zeit des Nationalsozialismus beteiligte er sich an Arbeiten zur Schaffung eines sogenannten Volksgesetzbuches. In den 1950er Jahren setzte er sich neben weiteren wirtschaftsrechtlichen Fragen intensiv für einen stärkeren Schutz der Urheberrechte ein ("Über das Wesen des Urheberrechts" 1956). Im Bereich der Lehrtätigkeit sah er es als seine Aufgabe an, den Studenten nicht nur auf lebendige Art Wissen zu vermitteln, sondern bei ihnen auch ein Bewusstsein für die Größe und das Ethos von Recht und Gerechtigkeit zu wecken. Neben seinem Engagement in Forschung und Lehre war Lehmann als Kunstsammler und Mäzen sowie als Musikliebhaber bekannt. Er war Inhaber der Richard-Strauß-Medaille und Mitglied des Vereins für Denkmalpflege. Er war es auch, der seinem Kollegen Stier-Somlo vorschlug, die Porträts der Rektoren nicht als Fotografien, sondern in Öl auf Leinwand festzuhalten, um damit eine Kunstsammlung an der Kölner Universität zu begründen. Heinrich Lehmann starb im Alter von 86 Jahren am 7. Februar 1963 in Köln.

Quellen: Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 60-64; Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln, Köln 1961, S. 187; UAK, Rektor Schieder: Nachruf auf Heinrich Lehmann, Februar 1963; Gerhard Kegel (Hrsg.): Heinrich Lehmann: Ein großer Jurist des Rheinlands. Jugend und Beruf. Seine Lebenserinnerungen, Köln 1976; Hans-Jürgen Becker: "600 Jahre Rechtswissenschaft in Köln. Aus der Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät", in: Festschrift der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zur 600-Jahr-Feier der Universität zu Köln, Köln u.a. 1988; S. 3-30; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 64, 395; Biographische Lexikon des KV, Schernfeld 1993, Teil 2, S. 75f; DBE, Bd. 6, München u.a. 1997, S. 293; André Depping: Das BGB als Durchgangspunkt. Privatrechtsmethode und Privatrechtsleitbilder bei Heinrich Lehmann (1876-1963), Diss. Univ. Frankfurt/M. 2001, Tübingen 2002; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 189.