Hans Schulten

Rektor 1954 - 1955

* 25.07.1899 (Elberfeld), † 05.03.1965 (Köln)
Professor für Innere Medizin
Dr. med.

Hans Joachim Schulten (geb. 25.7.1899 in Elberfeld) wurde nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums 1917 zum Kriegsdienst eingezogen. Nachdem er 1919 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, studierte er an den Universitäten Tübingen, Kiel sowie Erlangen und wurde 1924 in Erlangen "Ueber neutrophile Leukozyten mit veränderten Granulis bei Infektionskrankheiten im Kindesalter" promoviert. Bei Otto Naegeli in Zürich wurde er in die morphologische Blutforschung eingeführt. Seitdem wandte sich Schulten ausdrücklich der Hämatologie zu. Auf diesem Gebiet arbeitete er seit 1925 als Assistent von Hugo Schottmüller weiter, beschäftigte sich parallel dazu intensiv mit der klinischen Bakteriologie. Er wurde später Oberarzt an der II. Medizinischen Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, wo er sich 1929 habilitierte. 1935 wurde Hans Schulten zum n.b. a.o. Professor ernannt. 1938 berief man ihn an die Universität Rostock, wo man ihn auch mit der Leitung der Medizinischen Universitäts-Poliklinik beauftragte. Im Zweiten Weltkrieg, an dem er als beratender Internist in Russland teilnahm, erhielt er 1943 einen Ruf als o. Prof. für Innere Medizin der Universität zu Köln. Hier leitete er die Medizinische Poliklinik sowie die Medizinische Klinik. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb er sich beim Wiederaufbau der Universitäts-Poliklinik in den Resten des Bürgerhospitals und der Städtischen Krankenanstalten in Köln-Merheim besondere Verdienste. Im Juni 1948 erhielt er von der Kultusministerin Christine Teusch die Wiedereinsetzungsurkunde auf das Ordinariat. Von 1949-50 war er Dekan der Medizinischen Fakultät und wurde 1954-55 zum Rektor der Kölner Universität gewählt. Von 1964-65 war er auch Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Klinische und Experimentelle Nuklearmedizin. Darüber hinaus gehörte Hans Schulten zahlreichen wissenschaftlichen Gremien an. Er war Mitglied des Vorstandes der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Innere Medizin sowie der Gesellschaft für Innere Medizin, der Deutschen Hämatologischen Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Bluttransfusion, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (1956), zudem Mitglied der Landesärztekammer und Präsident des Deutschen Ärztetages. 1958 wurde ihm die Paracelsus-Medaille verliehen. 1964 ernannte man ihn auch zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, zudem wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie gewählt. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag in erster Linie auf dem Gebiet der Blutforschung. 1939 verfasste er das "Lehrbuch der klinischen Hämatologie", das 1953 in 5. Auflage erschien und sich auch durch die gut verständliche Darstellung als ein Standardwerk etablierte. Innerhalb der Hämatologie beschäftigte sich Schulten intensiv mit verschiedenen Formen der Blutmangelkrankheiten. Dabei legte er großen Wert auf eine exakte Beschreibung verschiedener Formen der Anämien. Er grenzte z.B. die "essentielle hypochrome Anämie", eine Form der Blutarmut, die in Folge von chronischem Blutverlust, Mangelernährung oder Mehrbedarf auftreten kann, als ein eigens Krankheitsbild scharf gegen andere Blutmangelkrankheiten ab und ging ihren genetischen Beziehungen nach (in: "Ergebnisse der inneren Medizin und Kinderheilkunde" 1934). Eine Zusammenfassung seiner Forschungen auf diesem Gebiet bietet das Werk "Differentialdiagnose und Therapie der Anämien" (1962). Seine Publikationen über die "Erkennung und Behandlung der Leukämien" (1942) sowie seine Analysen über die Sternalpunktion als diagnostische Methode (1937) wurden sehr beachtet. Innerhalb seiner Forschungen war er sehr auf Exaktheit der Differentialdiagnose bedacht. Auf dem 45. Kongress für innere Medizin in Wiesbaden wies er auf den Missstand der Unvergleichbarkeit der Hämoglobinbestimmungswerte aus unterschiedlichen Kliniken hin und forderte in den 1930er Jahren die Einführung einer einheitlichen Standardisierung der Bestimmungsmethoden. Weitere Arbeitsfelder Schultens waren die klinische Mikrobiologie, die Infektions- und Nierenkrankheiten, die vor allem während des Krieges bedeutsam waren. Ferner veröffentlichte er Studien zur Hungerkrankheit und zur Tularämie (Hasenpest), eine auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit, die unbehandelt in fünf Prozent der Fälle tödlich verläuft. Während der letzten Jahre war Schulten zunehmend an psychosomatischen Aspekten innerer Krankheiten interessiert. Daneben beschäftigte er sich mit Problemen des Medizinstudiums und ärztlichen Standesfragen. Er publizierte das an Wissenschaftler, Ärzte, Studenten sowie interessierte Laien adressierte Buch "Der Arzt" (1960) und "Der Medizinstudent" (1963). Seine Rektoratsrede hielt er über "Die Stellung der Medizin im Rahmen der Universität" (1955). Hans Joachim Schulten starb mit 65 Jahren am 5.3.1965 in Köln.

Quellen: UAK, Zug. 571, Nr. 174; UAK, Rektor Peters: Nachruf auf Hans Schulten, März 1956; W. Achenbach: "In memoriam Prof. Dr. med. Hans Schulten", in: Folia haematologica: Internationales Magazin für klinische und morphologische Blutforschung, Bd. 84 (2), 1965, S. 119-121; Ludwig Heilmeyer: "Hans Schulten zum Gedächtnis", in: Blut, Bd. 12 (1), 1965, S. 1-3; Ludwig Heilmeyer: "Professor Dr. Hans Schulten zum Gedächtnis", (Gedenkrede bei der akademischen Gedenkfeier der Universität zu Köln), in: Wehrmedizinische Monatsschrift, 10. Jg., 1966, Sonderdruck, S. 1-5; Pribilla: "In Memoriam Prof. Hans Schulten (1899-1965)", in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, Bd. 90 (1965), S. 1066-1067; Hans Schulten: Die Stellung der Medizin im Rahmen der Universität, Kölner Universitätsreden 12, Krefeld 1955, S. 26; Erich Meuthen (Hrsg.): Kölner Universitätsgeschichte, Bd. III: Die neue Universität. Daten und Fakten, Köln u.a. 1988, S. 155f., 168; DBE, Bd. 9, München u.a. 1998, S. 187.