Hans Planitz

Rektor 1929 - 1930

* 04.05.1882 (Kaditz bei Dresden), † 16.01.1954 (Wien)
Professor für Deutsches Recht, Deutsches Bürgerliches und Handelsrecht
Dr. iur. Dr. phil. h.c.

Hans Planitz (geb. am 4.5.1882 in Kaditz bei Dresden) studierte von 1901-04 an den Universitäten Tübingen und Leipzig Rechtswissenschaft und Geschichte. 1906 wurde er in Leipzig zum Dr. jur. promoviert, wo er sich 1909 auch habilitierte. Zunächst arbeitete er dort als Privatdozent für Deutsches Recht und wurde 1912 planmäßiger a.o. Professor für Urheber- und Patentrecht in Leipzig. Von 1913-14 ging er als o. Prof. für Deutsches und Schweizerisches Zivilrecht nach Basel. Von 1914-20 war er o. Prof. für Deutsches, Bürgerliches und Handelsrecht in Frankfurt a.M. Nachdem Planitz in Frankfurt am Aufbau der Johann Wolfgang Goethe-Universität mitgewirkt hatte, berief man ihn 1920 nach Köln, wo er zu den ersten Professoren der juristischen Fakultät gehörte. Er lehrte 22 Jahre in Köln und schlug mehrere Rufe nach außerhalb aus, um sich weiter seinen Quellenforschungen zur deutschen Rechtsgeschichte zu widmen. In den Jahren von 1921-22, von 1931-32 und von 1936-39 wählte man ihn zum Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, von 1929-30 zum Rektor der Universität zu Köln. Bis 1941 war er auch Mitdirektor des juristischen Seminars. Das von Heinrich Lehmann gegründete Seminar für Handels- und Industrierecht wurde nach mehrfacher Erweiterung 1929 in das Institut für Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht und Auslandsrecht umbenannt, wobei Hans Planitz die Abteilung Auslandsrecht übernahm. 1941 folgte Planitz dem Ruf an die Universität Wien als Prof. für Deutsches, Bürgerliches und Handelsrecht. 1942 wählte man ihn zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Seit 1943 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und ab 1945 wirkliches Mitglied dieser Gesellschaft. Im November 1953 berief man ihn zum Honorarprofessor für deutsche Rechtsgeschichte in Köln, die Stelle konnte er aber nicht mehr antreten. Während seiner Amtszeit als Rektor der Kölner Universität legte Planitz zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer am 26. Oktober 1929 im inneren Grüngürtel den Grundstein des neuen Hauptgebäudes. In seiner Rektoratszeit wandte Planitz sich auch gegen nationalsozialistische Aktivitäten an der Universität, indem er z.B. dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund verbot, eine Anschlagtafel im Gebäude der Universität anzubringen. Der erste Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit von Hans Planitz lag auf dem Gebiet des Haftungs- und Vollstreckungsrechts. Daran anschließend beschäftigte er sich intensiv mit der Rechtsgeschichte und mit der Entwicklung des deutschen Städtewesens. Er publizierte 1925 die "Grundzüge des deutschen Privatrechts“, 1936 die "Germanische Rechtsgeschichte“ und die 1952 gemeinsam mit Thea Buyken herausgegebene Bibliografie zur deutschen Rechtsgeschichte, außerdem das 1954 posthum veröffentlichte Werk "Die deutsche Stadt im Mittelalter von der Römerzeit bis zu den Zunftkämpfen“. Er erforschte speziell das Rechts- und Wirtschaftsleben des mittelalterlichen Köln und gab 1937 zusammen mit Thea Buyken die Kölner Schreinsbücher des 13. und 14. Jahrhunderts heraus. Für ihn waren diese Zeugnisse mittelalterlicher Kultur das großartigste Rechtsdenkmal des Grundpfandrechts dieser Zeit. In seinen Lehrbüchern zum deutschen Privatrecht und zur deutschen Rechtsgeschichte vollzog er eine Synthese der jeweiligen politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Zeiterscheinungen. Hans Planitz starb am 16. Januar 1954 in Wien.

Quellen: UAK Zug. 287 (Nachlassunterlagen); Hans Planitz: "Europäisches Recht", in: Kölner Universitätsreden 15, Köln 1926; Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 68-70; UAK Zug. 17/4364; Paul Hauck: Darstellung und Kritik der Theorien über die Entstehung des deutschen Städtewesens. Von Wilhelm Arnold bis Hans Planitz, Univ. Diss., Jena 1954; Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln, Köln 1961, S. 187f.; Adalbert Erler u. Ekkehard Kauffmann (Hrsg.): Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 3, Berlin 1983, Sp. 1767-1769; Hamburg 1986; Hans-Jürgen Becker: "600 Jahre Rechtswissenschaft in Köln. Aus der Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, in: Festschrift der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zur 600-Jahr-Feier der Universität zu Köln, Köln u.a. 1988; S. 3-30; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 66; Kölner Universitätsjournal, Nr. 4, 1989, S. 6; DBE, Bd. 13, München u.a. 2003, S. 290.