Hans Kauffmann

Rektor 1955 - 1956

* 30.03.1896 (Kiel), † 15.03.1983 (Berlin)
Professor für Kunstgeschichte
Dr. phil.

Hans (Johannes) Kauffmann (geb. am 30.3.1896 in Kiel) studierte Kunstgeschichte in München, Berlin und Kiel. Nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg wurde er 1919 bei Prof. Haseloff in Kiel über Rembrandts Bildgestaltung promoviert. Mit einem Stipendium reiste er zu Museumsstudien nach London und Wien. Nach einem Volontariat an der Berliner Gemäldegalerie bei Wilhelm von Bode arbeitete er 1920-22 am Kupferstichkabinett in Den Haag als Assistent von Cornelis Hofstede de Groot, der Kapazität für niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. 1922 habilitierte er sich mit der Arbeit "Albrecht Dürers rhythmische Kunst" in Berlin. Er wurde Privatdozent und 1924 Stipendiat am Deutschen Kunsthistorischen Institut in Florenz. In Berlin erhielt er 1929 eine a.o. Professorenstelle für niederländische Kunstgeschichte. 1936 folgte er dem Ruf als o. Prof. für Kunstgeschichte an die Kölner Universität, an der er 20 Jahre lang forschte und lehrte. 1938 wählte man ihn zum Dekan der Philosophischen Fakultät. Kauffmann wurde nach der Stilllegung der Universität zu Köln am 10.10.1944 an die Universität Göttingen versetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verweigerte man ihm zunächst die Arbeitsgenehmigung. Er konnte aber seinen alten Lehrstuhl in Köln wieder übernehmen und wurde von 1955-56 zum Rektor der Universität zu Köln gewählt. 1957 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl seines Lehrers Akolf Goldschmidt an der Freien Universität in Berlin, wo man ihn zum Direktor des Kunsthistorischen Instituts ernannte. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1964 ging Hans Kauffmann an das Institute for Advanced Study in Princeton und nahm 1966 eine Gastprofessur an der Harvard University in Cambridge, MA, an. Er lebte seit Ende der 1960er Jahre in Bonn. Von 1952-60 übernahm Kauffmann den Vorsitz des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker. Er leitete das Kuratorium der Bibliotheca Hertziana in Rom und das des Zentalinstituts für Kunstgeschichte in München. Er wurde Fellow der Royal Society of Arts in London und war korrespondierendes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Forschung, der späteren Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften in Düsseldorf. Er erhielt das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, das Komturkreuz des Ordens der Krone von Italien und mehrere Ehrenmitgliedschaften wissenschaftlicher Gesellschaften. Schwerpunkte seiner Arbeit waren Forschungen über den Begriff der Renaissance, die Bewegungsdarstellungen in den Werken Albrecht Dürers, die figürlichen Kompositionen Giovanni Lorenzo Berninis, die Beziehungen Rembrandts zu dem Humanistenkreis vom Muiderkring, den Zusammenhang von Tradition und Neugestaltung bei Donatello. Auch steuerte er einige wichtige Beiträge zur deutschen Kunst der Gotik, insbesondere zum Kölner Dom und Stefan Lochner bei. Er stellte immer wieder dar, wie schöpferische Künstler aus Form- wie Inhaltstraditionen neue Bildgedanken formulieren. Hans Kauffmann starb am 15. März 1983 in Bonn (beerdigt in Kiel).

Quellen: Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 428-429; Wolfgang Braunfels: Kunstgeschichtliche Studien für Hans Kauffmann zum 60. Geburtstag am 30.3.1956 Berlin, 1956; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 395; Peter Betthausen (Hrsg.): Metzler Kunsthistoriker Lexikon, Stuttgart u.a. 1999, S. 204ff.; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 184, 186.