Günther Binding

Rektor 1981 - 1983

* 06.03.1936 (Koblenz)
Professor für Kunstgeschichte und Stadterhaltung
Dr. Ing. Dr. phil.

Günther Binding (geb. am 6. März 1936 in Koblenz) studierte Architektur an der TH Aachen sowie Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie an den Universitäten in Köln und Bonn. Das Architekturstudium schloss er 1960 mit dem Diplom und 1962 mit der Promotion bei W. Weyres über die "Burg Münzenberg in der Wetterau" ab. Er war in Architekturbüros bei Riphahn, Schilling, Welter und Steinbach beschäftigt. Seit 1958 war er als freier Architekt tätig und führte 1961-64 Ausgrabungen, Bauuntersuchungen und Restaurierungen in Hessen durch. Zu Forschungszwecken war er im November/Dezember 1962 Gast der Bibliotheca Hertziana in Rom. Die Dissertation "Die Pfalz Kaiser Friedrich Barbarossas in Gelnhausen" legte er 1963 in Bonn vor. 1964 hielt er sich für drei Monate in Kairo am Deutschen Archäologischen Institut auf und nahm an einer Rundreise zu Ausgrabungsstätten in Ägypten teil. 1965 besuchte er das Deutsche Archäologische Institut in Bagdad und die Ausgrabungen in Uruk-Warka. In der Zeit von 1964-1970 wurden unter seiner Leitung zahlreiche Ausgrabungen im Rheinland für das Rheinische Landesmuseum Bonn durchgeführt (1966 Leiter der Bezirksstelle Niederrhein, 1968 Landesmuseumsrat). 1966-69 erhielt Günther Binding einen Lehrauftrag für Bauforschung an der Universität zu Köln, wo er sich 1969 für Kunstgeschichte mit der Arbeit über "Burg und Stift Elten am Niederrhein" habilitierte. 1970 wurde er als Wissenschaftlicher Rat und Professor an die Universität zu Köln berufen und mit der Leitung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts beauftragt. Dort erhielt er 1974 zur Abwendung von Rufen auf den Lehrstuhl für Bau- und Kunstgeschichte an der TH Hannover und als Staatskonservator des Landes NRW den neugeschaffenen Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Stadterhaltung. Er hielt Gastvorlesungen in Polen (1979), Südafrika (1985) und Leipzig (1988). 1970-85 leitete er das Forschungsunternehmen "Das deutsche Bürgerhaus". 1987 lehnte er einen Ruf an die TU Berlin ab. Günther Binding engagierte sich innerhalb der akademischen Selbstverwaltung von 1979-81 als Dekan der Philosophischen Fakultät, von 1981-83 als Rektor der Universität zu Köln und von 1983-85 als Prorektor. Für die Amtszeit 1982-84 wurde Binding zum Vizepräsidenten der Westdeutschen Rektorenkonferenz gewählt. Zudem war er Mitglied in zahlreichen Gremien und Vereinigungen, z.B. 1965-1970 Vorstandsmitglied der Deutschen Burgenvereinigung, Mitglied des Arbeitskreises "Stadtforschung“ der Fritz-Thyssen-Stiftung, Vorstandsmitglied des Altenberger Dom-Vereins und der Overstolzengesellschaft in Köln, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Theaterwissenschaftliche Sammlung in Wahn und Vorsitzender des Kuratoriums der Sigurd Greven-Stiftung in Köln, bis 1990 war er auch Mitglied der Kommission zur Vorbereitung der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR. 1999 wurde er zum Korrespondierenden Mitglied der philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, sowie 2002 zum Korrespondierenden Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt gewählt. 1966 erhielt Günther Binding von der Stadt Mülheim den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft. 1986 überreichte ihm der Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer den Josef-Humar-Preis. Im gleichen Jahr zeichnete ihn der Generaldirektor der polnischen Werkstätten für Denkmalpflege mit der Kalinowski-Medaille aus. 1987 ehrte ihn der Landschaftsverband Rheinland mit dem Rheinlandtaler. Die Forschungsschwerpunkte von Günther Binding liegen auf dem Gebiet der Architekturgeschichte, insbesondere des Mittelalters. Er befasste sich intensiv mit der Baugeschichte. Er analysierte die formalen und stilistischen Unterschiede, die technisch-konstruktiven wie organisatorischen Voraussetzungen, die geistesgeschichtlichen, ökonomischen und politischen Grundlagen. Daneben beschäftigte er sich mit der Bedeutung der Bauformen, mit dem Verständnis schriftlicher Quellen und entwickelte eine fachgerechte, grundlegende Terminologie. Seine 1980 publizierte "Architektonische Formenlehre" (4. Aufl. 1998) ist ein Standardwerk zur Architekturbeschreibung. Neben Veröffentlichungen über zahlreiche staufische, romanische und gotische Sakral- und Profanbauten publizierte er 35 Bücher u.a. "Kleine Kunstgeschichte des deutschen Fachwerkbaus" (mit Udo Mainzer und Anita Wiedenau 1975), "2000 Jahre Baukunst in Köln" (mit Barbara Kahle 1983), "Die Bauten der Universität zu Köln" (mit Georg Müller 1988), "Maßwerk" (1989), "Baubetrieb im Mittelalter" (mit Gabriele Annas 1997), "Was ist Gotik?" (2000) und "Meister der Baukunst" (2004). Außerdem war er Herausgeber und Mitherausgeber verschiedener Reihen und Zeitschriften, z.B. seit 1970 "Das deutsche Bürgerhaus“ (35 Bde.), "Veröffentlichungen der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln“ (72 Bde.), von 1973-99 das "Lexikon des Mittelalters“, 1993-2002 "Geschichtlicher Atlas der Rheinlande". Günther Binding ist seit dem 31.03.2001 emeritiert und lebt in Bergisch Gladbach.

Quellen: Udo Mainzer und Petra Leser (Hrsg.): Architektur Geschichten. Festschrift für Günther Binding zum 60. Geburtstag, Köln 1996; Stefanie Lieb (Hrsg.): Form und Stil. Festschrift für Günther Binding zum 65. Geburtstag, Darmstadt 2001, S. 395-410.