Erwin Geldmacher

Rektor 1934 - 1935

* 28.11.1885 (Wetter/Ruhr), † 16.01.1965 (Köln)
Professor für Betriebswirtschaftslehre
Dr. rer. pol.

Erwin Geldmacher (geb. am 28.11.1885 in Wetter/Ruhr) besuchte die Lehrerbildungsanstalten in Laasphe und Gütersloh und war von 1906-10 Volksschullehrer in Niedersprockhövel (Ruhrgebiet), bevor er von 1910-12 Wirtschaftswissenschaften an der Handelshochschule und später an der Kölner Universität studierte. 1912 legte er die Diplom-Handelslehrerprüfung ab und war bis 1920 Diplom-Handelslehrer in Krefeld und Bremen. Während des Ersten Weltkrieges leistete er von 1915-18 Kriegsdienst und war ab 1917 Leutnant der Reserve. 1920 erhielt Geldmacher eine Assistentenstelle mit Lehrauftrag an der Universität zu Köln. Er wurde 1921 zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitierte sich ein Jahr später an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Köln. 1924 erhielt er als o. Prof. der Wirtschaftswissenschaften den neu errichteten Kölner Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre. Außerdem war er von 1924-45 Direktor des Seminars für allgemeine Betriebswirtschaft und Werkwirtschaft. Von 1928-29 und von 1933-34 wählte man ihn zum Dekan der WiSo-Fakultät. Seit 1933 war er Mitglied der NSDAP und der SA. Von 1933-45 übernahm er den Vorsitz der Prüfungskommission für Wirtschaftsprüfer der Zulassungsstelle Rheinland und wurde o. Mitglied der Akademie für deutsches Recht. Als Nachfolger von Eugen Schmalenbach leitete Geldmacher 1934-45 das Wirtschaftsarchiv, zudem war er Direktor der Schau Westdeutscher Wirtschaft (Universitäts-Museum). Zum Rektor der Universität zu Köln wurde er 1934-35 als Vorzugskandidat des Gauleiters Grohé gewählt. Während seiner Amtszeit als Rektor ließ er im Vorraum der Universität eine Hakenkreuzfahne aufstellen, die bei Eintritt gegrüßt werden musste. Diese Maßnahme wurde vom Ministerium untersagt. Im Entnazifizierungsverfahren stand er als typischer Vertreter der nationalsozialistischen Weltanschauung an erster Stelle auf der Liste für die Bereinigung des Lehrkörpers der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Dennoch wurde er 1949 "entlastet". Geldmacher beantragte sofort seine Emeritierung, die ihm gewährt wurde, als er auf sein Recht, sich weiterhin an der Universität zu betätigen, verzichtete. Die Forschungen Erwin Geldmachers bezogen sich auf Betriebswirtschaftslehre, Industrieunternehmen und Aktienrechtsreform. Er beschäftigte sich mit der Bilanzierung und allgemeinen Darstellungen des betriebswirtschaftlichen Kreislaufs. Geldmacher entwickelte eine klare einheitliche Fachsprache, in der er die Begriffe Verbrauch, Leistung, Erlös, Ertrag, Erfolg u.a. systematisch abgrenzte. Hinzu kamen Beiträge zu Problemen der betrieblichen Substanzerhaltung in Zeiten der Geldentwertung. Nachdem die Währungsverhältnisse sich 1923/24 wieder relativ stabilisiert hatten, wandte er sich der Frage der deutschen Reparationen zu: "Die Erdrosselung der rhein.-westf. Wirtschaft durch die Tribute" (1931). Hinzu kamen Beiträge über die "Wirtschaftlichkeit der deutschen Rheinschiffahrtsunternehmungen" (1930) und über "Das Rechnungssystem des Einzelhandels" (1932). Schließlich äußerte er sich auch zu politischen Zusammenhängen ("Nationalsozialismus und Wirtschaftswissenschaft", 1934). Seine Schüler leitete er dazu an, in Seminaren geeignete Fälle, die laufend dem praktischen Betriebsleben entnommen wurden, selbstständig zu lösen. Geldmacher organisierte die "Schau westdeutscher Wirtschaft", in der führende Unternehmen in den Räumen der Kölner Universität ihre neuesten Fortschritte auf technischem und wirtschaftlichen Gebiet vorführen konnten. Er unternahm eine Reihe von Studienreisen und präsentierte in seinen Lehrveranstaltungen umfangreiches Filmmaterial aus industriellen Bereichen. Erwin Geldmacher starb am 16.1.1965 in Köln.

Quellen: Hermann Corsten: Das Schrifttum der zur Zeit an der Universität Köln wirkenden Dozenten, Köln 1938, S. 3-5; Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln, Köln 1961, S. 201f.; UAK, Rektor Peters: Nachruf auf Erwin Geldmacher, Januar 1965; DBE, Bd. 3, München u.a. 1996, S. 615; Hans H. Hohlfeld: Erwin Geldmacher als Forscher und Lehrer, in: Industriebetrieb und industrielles Rechnungswesen. Eine Festschrift für Erwin Geldmacher, Köln u.a. 1961, S. 95-99; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 46f., 113, 210, 260ff., 280, 382f., S. 398, S. 260ff.; Hannelore Ludwig: Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Lehre in Köln von 1901 bis 1989/1990, Diss. Univ. Köln 1990, Köln u.a. 1991, S. 54f., 64, 78, 102, 181; Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur Nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Heidelberg 2004, S. 57; Leo Haupts: "Die 'Universitätsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung' und die Politische Indienstnahme der Forschung durch den NS-Staat. Das Beispiel der Universität zu Köln", in: Rheinische Vierteljahrs-Blätter, Jg. 68, 2004, S. 172-200, S. 178, 199.