Christian Eckert

Rektor 1919 - 1920

* 16.03.1874 (Mainz), † 27.06.1952 (Köln)
Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften
Dr. jur. Dr. phil. Geh. Regierungsrat

Christian Laurenz Maria Eckert (geb. am 16.3.1874 in Mainz) studierte Rechts- und Staatswissenschaften, Wirtschafts- und Kunstgeschichte sowie Philosophie an den Universitäten München, Gießen und Berlin. 1897 wurde er zum Thema "Der Fronbote im Mittelalter nach dem Sachsenspiegel und den verwandten Rechtsquellen" zum Dr. jur. in Gießen promoviert, ein Jahr später mit einer Arbeit über "Das Mainzer Schiffergewerbe in den letzten drei Jahrhunderten des Kurstaates" zum Dr. phil. in Berlin. 1901 habilitierte er sich in Berlin für Staatswissenschaften und arbeitete anschließend als Dozent für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der neu eröffneten Handelshochschule in Köln. 1904 berief man Eckert zum Studiendirektor und 1910 zum Leiter dieser Institution. Hier schuf er die organisatorischen Voraussetzungen für den Ausbau des wirtschaftswissenschaftlichen Lehrangebotes und gab damit der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Spezialisierung deutliche Impulse. Von 1909-16 bereitete er als Mitglied der Immediatkommission die Verwaltungsreform in Preußen vor. 1917 erhielt er den Titel Geheimer Regierungsrat. Eckert bemühte sich intensiv um die Wiedereröffnung der Kölner Universität, die ihn von 1919-20 zum ersten Rektor wählte. Seit 1920 war er zudem geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums der Universität zu Köln. 1922 verlieh ihm die Universität zu Köln die Ehrendoktorwürde des Dr. rer. pol. und ernannte ihn 1926 zum Ehrenbürger der Universität. Am 20. September 1933 entließen die Nationalsozialisten Christian Eckert aus seinen Ämtern und versetzten ihn wegen seiner Zentrumsaktivitäten am 24. Februar 1934 mit 59 Jahren in den Ruhestand. Sein Porträt wurde 1935 aus dem Senatssaal entfernt und in ein kleines Sitzungszimmer gehängt. Eckert zog nach Worms, wo er von 1936 bis 1949 den Vorsitz des Aufsichtsrates der Lederwerke Cornelius Heyl übernahm. In Worms war er von 1946 bis 1949 auch Oberbürgermeister. Gleichzeitig setzte er sich erfolgreich für die Wiedereröffnung der Universität seiner Geburtsstadt Mainz ein. Er erhielt dort 1946 eine Gastprofessur für Volkswirtschaftslehre. Außerdem wählte man ihn zum Vizepräsidenten und Leiter der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz.

Christian Eckert galt bereits in der Zeit der Wiedereröffnung der Universität zu Köln als hervorragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Lehre. Er legte großen Wert auf eine enge Verbindung von Theorie und Praxis. Dabei ermöglichte Eckert seinen Studenten Kontakte zu einheimischen Betrieben, förderte den Austausch mit fremden Kulturen und organisierte große Studienreisen nach Griechenland, Italien und Afrika. Seine Forschungsgebiete umfassten die Handelspolitik, die Welt- und Auslandswirtschaft, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Verkehrswissenschaft. Eckert untersuchte grundlegende Fragen der Wirtschaftsorganisation und –politik sowie der Finanzwissenschaft. Als Arbeitsverfahren bevorzugte er historisch angelegte Monografien, wie "Die Rheinschiffahrt im XIX. Jahrhundert" (1900) und "J. H. Stein. Werden und Wachsen eines Kölner Bankhauses in 150 Jahren" (1940). Darüber hinaus sorgte Eckert für den Ausbau einer wirtschaftlichen Bibliothek und seit 1907 für die Gründung des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs. Er eröffnete 1909 das Kölner Museum für Handel und Industrie und förderte die Gründung des Kölner Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften. Die Universität zu Köln gab Christian Eckert 1945 formell das Ordinariat zurück und emeritierte ihn gleichzeitig. 1949 ehrte sie ihn mit der Verleihung des Titels Dr. med. h.c. Seine Lehrtätigkeit in Köln beendete er erst, als er 1952 schwer erkrankte. Bis zu seinem Tod am 27. Juni 1952 unterstützte Eckert die Kölner Universität in allen Fragen des Hochschullebens.

Quellen: UAK, Rektor Wessels: Nachruf auf Christian Eckert, Juni 1952; Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln, Köln 1961, S. 159ff., 200ff., 209; Frank Golczewski: Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus, Köln u.a. 1988, S. 66f., 111; Friedrich-Wilhelm Henning: "Christian Eckert (1874 bis 1952), in: Friedrich-Wilhelm Henning (Hrsg.): Kölner Volkswirte und Sozialwissenschaftler, Köln, Wien 1988, S. 1-13; Hans-Jürgen Becker: "600 Jahre Rechtswissenschaft in Köln. Aus der Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, in: Festschrift der Rechtswissenschaftlichen Fakultät zur 600-Jahr-Feier der Universität zu Köln, Köln u.a. 1988; S. 3-30; Hannelore Ludwig: Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Lehre in Köln von 1901 bis 1989/1990, Diss. Univ. Köln 1990, Köln u.a. 1991, S. 17f., 28; DBE, Bd. 3, München u.a. 1996, S. 11; Kat.: Von der Handelshochschule zur Universität. 100 Jahre wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Lehre und Forschung in Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, Köln 2001, S. 52-55.