Einführung

Gemalte Zeitgeschichte, Rektorenportraits der Universität zu Köln

Entstehung einer Sammlung

Ursprünglich wollte der damalige Rektor Fritz Stier-Somlo nur die Fotografien seiner Vorgänger in seinem Geschäftszimmer ausstellen, als er die Kollegen am 9. November 1925 bat, ihm Porträts in Amtstracht zukommen zu lassen. Doch einer seiner Vorgänger, der als Kunstmäzen bekannte Professor Heinrich Lehmann schlug ein größeres Projekt vor: eine Gemäldegalerie als Attraktion für die Kölner Bürgerschaft, durch deren finanzielle Unterstützung die Wiedereröffnung der Universität 1919 möglich wurde.
Im Vergleich zu Porträtsammlungen an anderen Hochschulen stellt die Kölner Rektorengalerie eine Ausnahme dar. In Greifswald, Jena und Marburg zum Beispiel hatte man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Tradition entweder nicht mehr fortgesetzt oder man war von gemalten auf fotografierte Abbildungen übergegangen.
Die Kölner Universität besaß bis dahin keine eigene Porträtgalerie. Zwar ließen sich auch etwa 60 Rektoren der alten Universität darstellen (einige dieser Gemälde und Zeichnungen waren im Jahr 2000 in der Ausstellung "Bildung stiften" im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen), allerdings wurden diese Werke nicht von der Kölner Hochschule in Auftrag gegeben, sondern waren als Stifterporträts für Kölner Kirchen bestimmt.
Trotz aller Hindernisse im Laufe der Entstehung der Sammlung existieren für den Zeitraum von der Neugründung der Universität im Jahr 1919 bis heute die Porträts aller 47 Rektoren. Über die rein dokumentarische Funktion hinaus ermöglicht es die gleichbleibende Porträtaufgabe, die Entwicklung der Malerei im 20. und 21. Jahrhundert zu verfolgen.

Als Vorgabe für die Gestaltung der Bilder legte man 1925 zunächst nur die Ausführung als Ölgemälde fest und schlug gleichzeitig Helene von der Leyen als Porträtistin vor. Die Künstlerin hatte ein Studium an der Münchener Kunstakademie absolviert und kannte als Gattin des Germanistikprofessors Friedrich von der Leyen die betroffenen Professoren persönlich.
1927 empfahl der damalige Direktor des Kunsthistorischen Institutes Albert E. Brinckmann dem Senat zusätzliche Richtlinien für die weitere Gestaltung der Galerie. Unter anderem sollte die Wahlfreiheit des Rektors in Bezug auf den Künstler gewährleistet sein und dieser auch überregional gesucht werden können. Außerdem sprach sich Brinckmann dafür aus, eine beratende Bildkommission einzusetzen und die Möglichkeit zu geben, das jeweils zur Verfügung stehende Honorar in Höhe von 500 Reichsmark aus den persönlichen Mitteln des Rektors aufzustocken.

Rektoramt und Repräsentationskultur

Für die Ausführung der Rektorenporträts ist auch die Kleidung bzw. das Ornat der Wissenschaftler bildbestimmend. Der erste Rektor der Universität zu Köln, Christian Eckert, ließ sich noch im schwarzen Anzug mit der Rektorkette der alten Handelshochschule darstellen. Seine nachfolgenden Kollegen zogen es vor, sich in ihren Amtsroben malen zu lassen, deren Wiedereinführung man 1924 beschlossen hatte. Sie tragen den Fakultätstalar ihres jeweiligen Fachgebietes oder den ersten einfacheren Rektortalar, dazu die alte Rektorkette mit der Medaille Kaiser Wilhelms II.
Seit der Rektortalar 1926 durch eine repräsentativere Amtsrobe aus dunkelviolettem Samt mit grauem Pelzbesatz sowie dunkelviolettem Barett ersetzt wurde und man ein Jahr später die Kette der ehemaligen Handelshochschule durch die aufwändige Goldschmiedearbeit von Ernst Riegel austauschte, trugen alle Rektoren bis zum Beginn der Studentenrevolte dieses Ornat zum Frack mit weißem Hemd und Binder, die sogenannte "große Form". Überdies ließ man 1929 noch eine kleine Kette arbeiten. Sie wurde z.B. bei Einführungsvorlesungen oder Begräbnissen zum schwarzen Anzug getragen. In dieser "kleinen Form" ließen sich mehrere Rektoren abbilden, als man sich nach siebenjähriger Malpause 1973 für die Weiterführung der Sammlung entschied. In den 1970er Jahren kombinierten auch einige Professoren den schwarzen Anzug mit der großen Rektorkette.
Erst 1987 saß wieder ein Rektor in Amtstracht mit großer Kette Modell. Der Gerichtsmediziner Michael Staak wählte jedoch den schwarzen Fakultätstalar mit karminroten Aufschlägen. Aber auch die "große Form" ist in zwei neueren Bildern vertreten.
In einigen Porträts der Kölner Galerie halten die Dargestellten Handschuhe in ihren Händen. Vermutlich orientierten sich dabei die entsprechenden Künstlerinnen und Künstler oder die Dargestellten selbst an Gelehrtenporträts des 16. und 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Doktoranden ihrem Promotor ein Paar Handschuhe schenkten. Schon im 15. Jahrhundert waren Bildnisgalerien gelehrter Männer beliebt. Die Künstler verwendeten darin spätantike und frühchristliche Darstellungen von Autoren und Evangelisten als Vorbilder. Die Figuren sind mit Lesen oder Schreiben in einer abgeschiedenen Studierstube beschäftigt. Häufig findet man auch detailreiche Arrangements mit Büchern und Instrumenten. Solche Anspielungen auf Forschung und Lehre sind nur in wenigen der Kölner Bilder enthalten. Im wesentlichen konzentrieren sich alle Künstler auf die porträtähnliche Darstellung der Physiognomie der Wissenschaftler.

Spektrum der Künstlerinnen und Künstler

Helene von der Leyen malte die ersten acht Bilder in der Porträtradition des 19. Jahrhunderts, in der sich die bürgerlichen Ideale des einfachen und "verinnerlichten Menschen" spiegeln und die besonderen Wert auf eine realistische und typische Schilderung der Modelle legte. Auch die meisten nachfolgenden Maler der Bilder bis 1945, wie Carl Kricheldorf, Gustav Lambert und Luitpold Adam d.Ä. orientierten sich in ihrer Bildnisauffassung an diesem Vorbild. Sieben der 22 verschiedenen Künstlerinnen und Künstler der Galerie studierten an der Kunstakademie in München, in der eine Spezialisierung auf das Porträtfach gefördert wurde. Das Aufkommen der avantgardistischen Kunstströmungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte eine Abkehr von der akademischen Malerei und speziell dieser traditionellen Bildgattung. Auch durch die Entwicklung der Porträtfotografie, geriet dieses anerkannte Fach immer mehr ins Abseits. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als jede abbildende Kunst schon an sich als reaktionär empfunden wurde, wuchs die Schwierigkeit Künstler zu finden, die noch bereit waren Porträts zu malen. Diejenigen Maler, die den Auftrag annahmen, versuchten meist eine Synthese aus den Anforderungen nach wiedererkennbarer Darstellung der Person und freier Bildgestaltung zu erreichen. In der Liste der Künstlerinnen und Künstler befinden sich Namen, die weit über Köln hinaus bekannt sind: Anton Räderscheidt, Hans Purrmann und Friedrich Ahlers-Hestermann sowie Peter Herkenrath. Dabei bestehen verschiedene Querverbindungen: So hatten sich Hans Purrmann und Friedrich Ahlers-Hestermann in der "Académie Matisse" in Paris kennengelernt; Purrmann war ebenfalls mit Peter Herkenrath befreundet. Außerdem porträtierten vier Künstler der Galerie sowohl Bürgermeister der Stadt Köln als auch Kölner Rektoren: Anton Räderscheidt malte Ernst Schwering und Ernst Klenk, Hans Purrmann saßen Robert Görlinger sowie Hans Kauffmann Modell und Peter Herkenrath stellte Konrad Adenauer, Theodor Wessels und Theodor Kraus dar. Zuletzt kam Oliver Jordan hinzu, der Norbert Burger und Tassilo Küpper porträtierte.
Einige Rektoren wählten Künstlerinnen und Künstler, die nach wie vor auf Porträtmalerei spezialisiert waren und sind (neben Helene von der Leyen Eleonore A. Berchtold, Peter Hirsch, Oliver Jordan, Hans Jürgen Kallmann, Franzjosef Klemm, Gisela Kuske, Gustav Lambert, Toni Oberniedermayr und Helga Tiemann). Aber auch Künstlerinnen und Künstler, für die das Thema eine Herausforderung darstellte, kamen zum Zug, wie Raffael Becker, Carl Kricheldorf, Karolus Lodenkämper, Bettina Mauel und Hedi Priess. Schließlich sind in der Sammlung auch zwei Bilder vertreten, die von einem Rektor der Universität zu Köln, Hermann Jahrreiß, gemalt wurden.

Öffentliches Interesse

1958 wurden die Porträts zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Der damalige Rektor Hermann Jahrreiß stellte die frisch restaurierten Gemälde an den Umgängen der renovierten Aula des Hauptgebäudes aus. Aufgrund der positiven Resonanz wurden Rektorenbilder für Ausstellungen im Kölnischen Kunstverein ausgeliehen. Professor Jahrreiß versuchte, die Sammlung um Rektorenporträts der alten Universität zu ergänzen, was leider nicht zustande kam. 1962 beschwerte sich Professor Lehmann, dass sein Porträt mit dem aufgezwirbelten Schnurrbart Kaiser Wilhelms II. bemalt worden sei. Um in Zukunft weitere Schäden zu vermeiden, hängte man die Gemälde in weniger zugänglichen Räumen auf.
Während der Studentenunruhen war an eine weitere Schau der im Talar und Rektorkette dargestellten Professoren erst recht nicht zu denken. In den 1980er Jahren kam es noch zweimal zu öffentlicher Aufregung um die Sammlung. 1983 beschädigten Studenten wahllos mehrere Rektorenbilder, als sie diese aus dem Fenster warfen, weil sie nicht an einer für sie entscheidenden Senatssitzung teilnehmen durften. Hinterher behaupteten sie, sie hätten mit ihrer Aktion auf die unbewältigte Nazivergangenheit der Universität aufmerksam machen wollen. 1988 stellte sich heraus, dass das 1935 durch die Nationalsozialisten aus dem alten Senatssaal entfernte Porträt des jüdischen Rechtswissenschaftlers Fritz Stier-Somlo 43 Jahre nach dem Ende der Diktatur noch immer fehlte. Die Lücke wurde 1989 durch ein Porträtfoto von Stier-Somlo geschlossen.
Da bisher kein separates Universitätsmuseum besteht, in dem die Bilder ausgestellt werden könnten, verzichtet man auch heute auf eine öffentliche Präsentation. Deshalb wird an dieser Stelle die Möglichkeit gegeben, die ungewöhnliche Sammlung zu sehen.

Ursprünglich wollte der damalige Rektor Fritz Stier-Somlo nur die Fotografien seiner Vorgänger in seinem Geschäftszimmer ausstellen, als er die Kollegen am 9. November 1925 bat, ihm Porträts in Amtstracht zukommen zu lassen. Doch einer seiner Vorgänger, der als Kunstmäzen bekannte Professor Heinrich Lehmann schlug ein größeres Projekt vor: eine Gemäldegalerie als Attraktion für die Kölner Bürgerschaft, durch deren finanzielle Unterstützung die Wiedereröffnung der Universität 1919 möglich wurde. 
Im Vergleich zu Porträtsammlungen an anderen Hochschulen stellt die Kölner Rektorengalerie eine Ausnahme dar. In Greifswald, Jena und Marburg zum Beispiel hatte man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts diese Tradition entweder nicht mehr fortgesetzt oder man war von gemalten auf fotografierte Abbildungen übergegangen. 
Die Kölner Universität besaß bis dahin keine eigene Porträtgalerie. Zwar ließen sich auch etwa 60 Rektoren der alten Universität darstellen (einige dieser Gemälde und Zeichnungen waren im Jahr 2000 in der Ausstellung "Bildung stiften" im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen), allerdings wurden diese Werke nicht von der Kölner Hochschule in Auftrag gegeben, sondern waren als Stifterporträts für Kölner Kirchen bestimmt. 
Trotz aller Hindernisse im Laufe der Entstehung der Sammlung existieren für den Zeitraum von der Neugründung der Universität im Jahr 1919 bis heute die Porträts aller 47 Rektoren. Über die rein dokumentarische Funktion hinaus ermöglicht es die gleichbleibende Porträtaufgabe, die Entwicklung der Malerei im 20. und 21. Jahrhundert zu verfolgen.